Mein Leben als Regenbogenschaf

Wenn ich beschreiben würde, wie es gerade in meinem Kopf aussieht – es wäre ein einziges Chaos. Ein Gedankenfetzen jagt den anderen. Und das schon seit Tagen (naja, nein - ehrlich gesagt, ist das eigentlich schon mein ganzes Leben lang so). Und wenn ich etwas schreiben möchte, dann ist es ganz besonders extrem. Ich habe ständig vorgefertigte Sätze im Kopf. Allerdings zu unterschiedlichen Themen, völlig unsortiert und ungefiltert und manchmal sogar parallel. Eigentlich bräuchte ich ein Männchen in meinem Kopf, das Steno kann und das mir immer alles auf Papier bringt. Es fällt mir nämlich relativ schwer, die Gedanken zu fokussieren und dann so niederzuschreiben, dass man sie auch einigermaßen verstehen kann.

 

Das ist auch der Grund, warum ich jetzt ein paar Tage nichts mehr geschrieben habe. Mein Anspruch an mich selbst ist so hoch, dass ich es lieber gelassen habe. Außerdem bin ich vom vielen Denken in den letzten Tagen auch einfach uuuuunsagbar müde.

 

Nichtsdestotrotz sitze ich jetzt hier und bin am Tippen. Denn die Erleichterung und die Freude, wenn ich dann mal was auf Papier (oder in den PC) gebracht habe, sind jedes Mal groß. Übrigens „nichtsdestotrotz“ schreibt man tatsächlich in einem Wort – das habe ich gerade gegoogelt :-)

 

Mein „Baby“, der Blog, ist jetzt wenige Tage alt und ich bin ganz geflasht von den vielen positiven Rückmeldungen. Stefan Hiene war so nett, meine Seite auf Facebook zu teilen, worüber ich mich echt wahnsinnig gefreut habe. <3

 

Aber eben, ich spüre auch so eine Art inneren Druck in mir. Jetzt „muss“ es weitergehen, jetzt „muss“ ich dranbleiben, damit das alles auch „was wird“.

 

Ja aber, was soll es denn werden? Es IST ja schon was. Und ich hatte mir ja vorgenommen zu schreiben um des Schreibens Willen und nicht, weil ich irgendein Ziel erreichen möchte.

 

Jetzt merke ich allerdings, dass das gar nicht so einfach ist. Man (der berühmte „man“) neigt ja dann doch dazu, es „gut“ machen zu wollen, gefallen zu wollen und gelobt zu werden. Deswegen nochmal: DANKE für eure Kommentare, Mails und Likes. Das alles beflügelt mich wirklich sehr.

 

So, aber jetzt weiter im Text.

 

Was wollte ich eigentlich schreiben?

 

Achja, über das Durcheinander in meinem Kopf.

 

Ich bin ja da neulich auf was gestoßen, was ich näher erforschen möchte. Und zwar geht es darum, dass das evtl. eine besondere Begabung sein könnte, die ich da habe. Ich dachte ja bisher immer, ich wäre eine „Universaldilettantin“. Sprich, jemand der alles ein bisschen kann, aber nichts so richtig. Ein Ex-Freund hat das auch mal genau so zu mir gesagt. Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie man sich da fühlt. Ist nicht wirklich ein tolles Gefühl.

 

Jedenfalls habe ich herausgefunden, dass es wohl noch mehr solche Menschen gibt, die eben nicht nur EINE Begabung haben und diese dann bis zur absoluten Perfektion ausüben. Sondern dass es da draußen Menschen gibt, wie mich, die einfach so viele Interessen haben und so viele Gedanken im Kopf, so viel Kreativität, dass sie gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Kreative Multitalente könnte man sie nennen (so ähnlich heißt auch das Buch, was ich gerade zu dem Thema lese).

 

Und das klingt für mich doch schon viel positiver als „Dilettantin“. Wobei ein Dilettant von der Wortherkunft her (italienisch dilettare aus lateinisch delectare „sich erfreuen“) ja eigentlich auch gar nichts so negatives ist. Oder, um noch ein anderes Wort zu analysieren, ein „Amateur“ ist wörtlich übersetzt ein „Liebhaber“ (von lateinisch amator). Das gefällt mir auch ganz gut.

 

Aber egal ob Multitalent, Universaldilettantin oder Amateur, es gibt auf jeden Fall noch mehr Menschen, die so sind wie ich. Goethe hat übrigens auch zu der Kategorie gehört. Um also mal ganz unbescheiden zu sein: vielleicht liest du hier die ersten Zeilen einer später mal berühmten Schriftstellerin :-)

 

Mir hilft es jedenfalls, wenn ich weiß, dass ich doch nicht ganz so unnormal bin, wie ich manchmal befürchtet habe, zu sein. Ich bin zwar schon immer ein „schwarzes Schaf“ gewesen, aber ich habe mir angewöhnt, mich lieber als „Regenbogenschaf“ zu sehen. Kunterbunt, bestimmt nicht so wie die meisten Schafe, aber auch nicht das einzige auf der Welt.

 

Ich habe viele Interessen, viele Ideen und ich gehe den Dingen immer auf den Grund. Ich bin wissbegierig, neugierig und mein Geist ruht quasi nie. Das sind meine Stärken und daran möchte ich arbeiten. Das möchte ich vertiefen. Und den Gedanken „man muss doch mal irgendwas fertig machen, zu Ende bringen und dann auch dabei bleiben“, den schiebe ich jetzt einfach mal weg.

 

 

Ich kann Bloggerin sein und gleichzeitig Mutter, Ehefrau, Köchin, Schneiderin, Malerin, Dichterin, Webseitenbastlerin, Sekretärin, Grafikerin, Gärtnerin, Handwerkerin, Erfinderin, Beraterin, Philosophin, Schriftstellerin (;-)) und Regenbogenschaf.

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