Das ist die Kalorien nicht wert

Wusstest du, dass die Menschen vor 60 Jahren ca. 44  % ihres Einkommens für Lebensmittel ausgaben und dass es heutzutage gerade noch 11 % sind?

 

Und wusstest du, dass Lebensmittel in Deutschland rund 15 bis 20 % preiswerter sind, als bei unseren europäischen Nachbarn?

 

Ich habe sogar mal irgendwo gelesen, dass die Deutschen mehr Geld für ihr Auto ausgeben, als für Nahrungsmittel…

 

Das macht mich echt traurig.

 

Vor einiger Zeit war ich mit meinem Mann in einer Stadt in der näheren Umgebung. Zufällig trafen wir dort eine Bekannte, die wir fragten, wo man denn hier „gut Essen“ könne. Sie meinte, dass es um die Ecke eine Gaststätte gäbe, die „besonders günstig“ sei. Wir erklärten ihr, dass es uns nicht um den guten Preis geht. Daraufhin schickte sie uns in ein Restaurant, in dem es „besonders große Portionen“ gibt….

 

Hmpf.

 

Warum ist es so normal, dass „besonders viel“ und „besonders günstig“ für so viele Menschen gleichbedeutend ist mit „besonders gut“?

 

Gestern haben wir Kuchen gekauft in einer Konditorei, die uns schon des Öfteren als uuuunglaublich gut angepriesen wurde. Der Kuchen war dann vom Geschmack her mittelmäßiger Durchschnitt, aber die Stücke waren so groß, dass wir sie unmöglich auf einmal essen konnten. Hätten die den Geschmack in halb so viel Masse an Kuchen reingepackt (was übrigens die Konditorei, in der wir normalerweise Kuchen kaufen, macht und dafür ständig für ihre "zu kleinen Stücke" kritisiert wird), dann wäre es wirklich lecker gewesen. So war das ganze einfach „die Kalorien nicht wert“ – wie mein Mann immer so schön zu sagen pflegt.

 

Ich hoffe, ich greife jetzt damit niemanden an, aber ich fürchte, dass das ein Thema ist, bei dem sich einige Leute auf den Schlips getreten fühlen. Das tut mir natürlich leid.

 

Aber für mich ist Essen, Kochen und allgemein der Umgang mit Lebensmitteln einfach so ein wichtiger Lebensbestandteil geworden, dass ich  gar nicht anders kann, als ständig darüber zu reden. Es ist also nur logisch, dass ich auch darüber schreiben möchte.

 

Essen – richtig gut essen -  ist eine wahre Freude für mich! Und kochen, seit ich es kann, ist eine große Leidenschaft. Es macht mich sehr sehr glücklich, dass mein Mann diese Leidenschaft mit mir teilt und dass wir uns so immer wieder gegenseitig anspornen, die Dinge zu hinterdenken. Herkunft, Preis und Qualität von Nahrungsmitteln sind uns sehr wichtig und eine unserer liebsten Freizeitbeschäftigungen ist es, samstags zusammen auf den Wochenmarkt zu gehen und anschließend im Supermarkt stundenlang das Kleingedruckte auf Lebensmittelverpackungen zu lesen.

 

Wir sind keine Vegetarier, oder gar Veganer. Wir gehen sogar ab und zu ins Fast-Food-Restaurant. Aber wir haben wohl dennoch eine grundsätzlich andere Einstellung zum Essen, als der „Durchschnittsdeutsche“.

 

Es sind LEBENsmittel, die wir da konsumieren. Sie sollen uns am Leben erhalten und nicht krank machen. Das ist die erste Priorität. Und sie sollen schmecken!

 

Als wir zum ersten Mal ein Hähnchen aus dem Bioladen gegessen haben, war das fast eine Offenbarung - so unglaublich gut, so komplett anders, als diese Fließbandvögel aus dem Supermarkt und jeden einzelnen Cent wert!

 

Genauso ist es mit Obst und Gemüse. Ja, sogar einfache Kartoffeln, wenn man die richtigen kauft, können ein Festmahl sein! Ich könnte stundenlang weiterschwärmen. Es gibt so viele so gute Lebensmittel. Und immer noch viel zu wenig Menschen kaufen sie. Irgendwie haben die Leute einfach andere Prioritäten  und vielleicht auch andere Geschmacksnerven als wir. Ich weiß es nicht.

 

Für mich ist es wichtig zu wissen, was ich esse, mir Gedanken zu machen, wo ein Produkt herkommt und wie es produziert wurde. Ich möchte nicht einfach nur zum Discounter fahren und konventionelle Massenware zu Dumpingpreisen konsumieren. Von den ganzen Zusatzstoffen, die in diesem „Zeug“ drin sind, möchte ich gar nicht erst anfangen, denn dann wird mir schlecht….

 

Oft höre ich Leute sagen, die Bio-Label und –Siegel halten doch eh nicht, was sie versprechen und dass das doch alles auch nur verarsche sei… Man wird quasi noch belächelt, weil man so „dumm“ ist, und auf diese „Marketingmaschen“ reinfällt.

 

Mag sein, dass auch bei Bio nicht alles Gold ist, was glänzt. Aber konventionelle Produkte, die zum Teil unter widrigsten Bedingungen für Mensch, Tier und Natur hergestellt werden, sind für mich keine Alternative. Die Entscheidung für biologisch erzeugte Lebensmittel ist auch eine Entscheidung gegen eine (vom Steuerzahler subventionierte!!!) Industrie, in der es nur darum geht, dass sich einige wenige auf Kosten vieler bereichern. Nein. Ich möchte auch Zeichen setzen!

 

Dass wählen in Bezug auf unsere Politik heutzutage nicht mehr viel bringt, weiß wohl inzwischen so ziemlich jeder. Man hat die Wahl zwischen zwei Seiten der selben Medaille. Aber beim Einkaufen kann ich was bewegen. Verbraucher haben die Macht!

 

Und nein, den Satz „was kann der Einzelne schon ausrichten“, den kann und will ich nicht mehr hören. Denn er stimmt nur, wenn alle so denken.

 

Wenn keiner mehr Fleisch aus Massentierhaltung kauften würde, wenn billig produzierte Massenware in den Regalen stehenbleiben würden, wenn die Menschen mehr nachdenken und bewusster einkaufen würden, dann könnten wir gemeinsam etwas bewegen.

 

Ich möchte meinem Kind später in die Augen schauen können und nicht sage müssen, dass ich durch meinen Konsum dazu beigetragen habe, dass der Planet zu Grunde geht (mal abgesehen davon, dass der Planet nicht zu Grunde geht, sondern wir uns unserer Lebensgrundlage berauben, aber das ist ein anderes Thema…).

 

Ich möchte keine Produkte kaufen, die Palmöl enthalten, für dessen Anbau der Regenwald im großen Stil abgeholzt wird. Ich möchte keine Schokolade kaufen, für die Kinder auf Feldern schuften müssen. Ich möchte kein Fleisch aus Massentierhaltung essen und kein genmanipuliertes, schadstoffversäuchtes Gemüse oder Brot.

 

Ja, ich weiß, es gibt Menschen, die es sich nicht leisten können im Bioladen einzukaufen.

 

Ich möchte auch gar niemanden verurteilen! Ich würde mich nur wahnsinnig freuen, wenn der ein oder andere ab und zu mal darüber nachdenkt, was er so zu sich nimmt und ob er nicht vielleicht das ein oder andere mal auf (billiges) Fleisch verzichten und dafür seltener aber qualitativ  besseres kaufen könnte.

 

Ich lebe mit meiner Familie nicht im Luxus. Wir haben seit 4 Jahren keinen Urlaub mehr gemacht, gehen nicht auf Partys und tragen seit Jahren die selben (oder selbst genähte) Klamotten. Aber wir sind glücklich, wenn wir abends gemeinsam am Tisch sitzen und wissen, dass wir ein gutes, gesundes, mit Liebe eingekauftes und zubereitetes Mahl genießen können.

 

 

Das ist wahre Freude für mich ♥

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"Egal was ich mache, ich will es mit Freude tun.

Und wenn es mir keine Freude bereitet, dann möchte ich den Mut haben, auf mein Herz zu hören, umzukehren und einen anderen Weg einzuschlagen."

 

Folge der Freude ist nicht nur ein Spruch, sondern mein Lebensmotto.

 

von Herzen - Sonja 

 

Sonja Kleiser Zauberfee - Folge der Freude - Farbexplosion